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Pflegetechnologien - Mit Technik die Pflegekräfte entlasten

 © Prof. Johner Pressemitteilung | 04.06.2021 | Pflegepraxiszentrum Nürnberg

Digitale Technologien haben die Pflege erreicht – oder zumindest fast. Denn oftmals finden Pflegetechnologien den Weg in den Realbetrieb einer Klinik oder Pflegeeinrichtung nicht. Dies hat unterschiedliche Gründe. Das PPZ Nürnberg sucht nach Lösungen.

Nürnberg //
Welche technischen und digitalen Produkte haben das Potenzial Pflegekräfte, pflegende Angehörige und zu Pflegende in ihrem Alltag zu entlasten? Pflegetechnologien 
können eine Hilfe sein, um Pflege besser, das heißt effektiver, effizienter und am Ende menschendienlicher zu machen. Dieser Anspruch an Pflegetechnologien ist eine Maxime bei der Bewertung, Einschätzung und Beurteilung von Pflegetechnologien und somit auch ein wesentliches Kennzeichen der Arbeit im PPZ-Nürnberg. 
Aus der Praxiserfahrung wird jedoch deutlich, dass Produkte entwickelt werden, die ihren Weg in den 
Realbetrieb einer Klinik oder Pflegeeinrichtung nicht finden. Dies hat unterschiedliche Gründe, wie beispielsweise eine mangelnde intuitive Bedienung eines Produktes, rechtliche Unklarheiten oder eine fehlende Refinanzierung. Aber auch andere Aspekte spielen eine Rolle: ethische, pflegepraktische und auch ökonomische Aspekte müssen bereits im Entwicklungsprozess beachtet werden, damit eine Legitimation der Anwendung bei den Handelnden und somit ein Nutzen entstehen kann.

Bedarfe der Pflegekräfte in den Fokus nehmen

Noch wichtiger ist es, die Nöte und Bedarfe der Pflegekräfte und der zu Pflegenden in den Fokus zu nehmen. Gerade die Corona-Pandemie zeigt, dass durch Digitalisierung Brücken geschlagen werden können, um beispielsweise den Kontakt zwischen Angehörigen und Bewohnenden in Langzeitpflegeeinrichtungen oder Kliniken aufrechtzuerhalten. Um die Chancen, die digitale und 
technische Innovationen bieten, noch besser nutzen zu können, benötigen wir Probierräume, die eine 
bedarfsorientierte Entwicklung vorantreiben und den Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren aus Praxis, Entwicklung, Forschung und Wirtschaft ermöglichen. Kann Digital Pflege? Mit dieser Frage beschäftigte sich deswegen die dritte Konferenz des BMBF-Clusters „Zukunft der Pflege“, die unter der Federführung des Pflegepraxiszentrum Nürnberg zum ersten Mal rein digital stattfand. 

Cluster-Konferenz Zukunft der Pflege

Rund 600 Teilnehmende aus den Bereichen Pflege, Wissenschaft und Technik diskutierten im vergangenen September über nutzerzentrierte Forschung in der Pflege, ethische und rechtliche Aspekte einer Einführung von Technik und Digitalisierung in den Pflegealltag, Erstattungsfragen, Bildung und Wissenstransfer oder darüber, wie sich Veränderungsprozesse im Realbetrieb von stationärer Pflege und Langzeitpflege gestalten lassen. Die Clusterkonferenz gab Raum für ein vielfältiges Programm mit 
Vorträgen, Workshops, einer Fachausstellung und einem Innovationswettbewerb. Die Praxisberichte und 
Forschungsarbeiten, die während der Clusterkonferenz präsentiert wurden, sind nun in zwei Short-PaperBänden erschienen. Mit Blick auf viele Beiträge wird sichtbar, dass Technologien sowohl 
auf der Akteursebene gebrauchstauglich und akzeptiert sein müssen, als auch als Teil des Pflegeprozesses betrachtet werden sollten – sie benötigen eine Passung in die organisatorische Umwelt. Dabei zeigen gerade die Beiträge, die auf Pflegetechnologien in der direkten Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten eingegangen sind, die hohe Bedeutung eines auch von Herstellern antizipierten Werteverständnisses für den Einsatz der Technologie und auch die damit implizierten Wirkungen auf den Pflegeprozess. 

Anwendungsszenarien von Pflegetechnologien 

Eine Breite der Beiträge beschäftigt sich mit Technologiekategorien und Anwendungsszenarien von Pflegetechnologien in unterschiedlichen Pflegesettings. Davon zu trennen sind Aspekte gesellschaftlicher Akzeptabilität oder gar Kosteneffektivität. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Arbeiten, die sich dem Lösungspotenzial von künstlicher Intelligenz zuwenden. Auch wenn hier viele Anwendungsszenarien eher perspektivisch einzuordnen sind, gilt es auch festzuhalten, dass allein die Klarheit in den  Erwartungsszenarien eine hohe Bedeutung einnimmt. Einen dritten Schwerpunkt bilden die Beiträge zum Themenfeld Bildung und Pflegetechnologien. Bildungsfragestellungen knüpfen sowohl an die Curricula von Ausbildungs- und Weiterbildungskontexten an als auch am strukturierten Informationskontext, den Technologien im Sinne von Produktinformationen und Einführungsschulungen einnehmen. Zusätzlich zu den Beiträgen werden auch die Ergebnisse des Innovationswettbewerbs dokumentiert. Acht Produktinnovationen mussten sich einer interdisziplinären Jury stellen, die den Charakter des PPZ Nürnberg repräsentiert – nämlich Technologien für die Pflege in einer Komposition aus pflegepraktischer, ethischer, rechtlicher, sozialer, ökonomischer und technischer Brille zu bewerten und einzuordnen.

Der Konferenzband besteht aus zwei Teilen, die im Facultas Wien Verlag veröffentlicht wurden. Beide Bände sind ab sofort unter folgendem Link verfügbar: pflege-professionell.at/konferenz. Die Bände stehen kostenfrei zum Download zur Verfügung, zusätzlich bietet der Verlag auch die Möglichkeit, die Bände gegen einen Druckpreis zzgl. Versandkosten als Printversion zu erwerben.

Über das PPZ-Nürnberg
Das Pflegepraxiszentrum (PPZ) Nürnberg ist ein Verbund pflegepraktischer, wissenschaftlicher und netzwerkbildender Einrichtungen mit dem Ziel, Innovationen in die Anwendung zu bringen. Es erprobt und bewertet im Echtbetrieb von Klinik und Pflegeeinrichtungen neue Technologien und Dienstleistungen auf deren Praxistauglichkeit, Akzeptanz und Nutzen für Pflegende und Gepflegte. Zum Konsortium gehören die Praxispartner NürnbergStift, Klinikum Nürnberg und Diakoneo. Wissenschaftlich wird das Projekt durch das Forschungsinstitut IDC der SRH Wilhelm Löhe Hochschule und das Forschungsinstitut IREM der Hochschule Würzburg-Schweinfurt begleitet. Mit dem Forum MedTech Pharma e. V. als Netzwerkplattform wird das PPZ Nürnberg vervollständigt. Das PPZ-Nürnberg ist Teil des Clusters Zukunft der Pflege und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Die Autor:innen sind:
Michael Pflügner, Marlene Klemm, 
Prof. Jürgen Zerth, Prof. Peter Bradl