Forum MedTech Pharma e.V. Netzwerk für Innovationen in der Gesundheitsbranche

Weltraumtechnik für die Medizin


Eine Tour durch das Forschungslabor des DLR zeigte, wo Innovationen entstehen. Ab 2017
soll hier ein Innovation Lab entstehen, das auch Externen eine Testumgebung zur Verfügung stellt.


Die Schnittstelle zwischen Weltraumtechnik und Medizintechnik ist vielversprechend, da in diesen interdisziplinär geprägten Branchen Innovationen meist durch die Zusammenführung unterschiedlichster Technologien entstehen. Das Wissen über intelligente Algorithmen, Informationstechnologien, Elektronik und Materialien wird seit vielen Jahren erfolgreich genutzt, um medizintechnische Produkte weiterzuentwickeln.


Die Beispiele reichen von robotergestützter Chirurgie, Handprothesen, Mensch-Maschinen-Schnittstellen über virtuelle Reality Systeme für die OP-Planung bis hin zur Kollisionsvermeidung für verschiedene Geräte im OP. Das Forum MedTech Pharma e.V. organisierte am 6. Dezember 2016 gemeinsam mit der European Space Agency (ESA), Verhaert, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie weiteren Partnern einen Technologietransfer-Event mit dem Ziel, Verknüpfungspotentiale zwischen den beiden Sparten zu identifizieren und neue Möglichkeiten für Kooperationsprojekte zu erschließen. Dr. Frank Zimmermann von der cesah GmbH (Centrum für Satellitennavigation Hessen) machte in seinem Vortrag deutlich: „Wenn es um den Transfer von Weltraumtechnologien in andere Bereich geht, werden die meisten Spin-Offs im Transportbereich gegründet. Dabei steht die Medizintechnik an zweiter Stelle von 14 weiteren Branchen.“

Ann van Mele von Verheart motivierte die Teilnehmer: “Durch einen gelungenen Technologietransfer kurbeln Sie Ihr Geschäft an und Sie zeigen sich von einer innovativen Seite“. Wenn eine Nachfrage nach einer bestimmten Anwendung vorliegt, oder ein bereits vorhandenes Produkt in Zukunft neue Erfordernisse erfüllen soll, dann stelle sich im Entwicklungsprozess möglicherweise heraus, dass die Kombination unterschiedlichster Technologien zur Lösung beiträgt.

Wie viele gelungene Technologietransferprojekte es gibt, schilderten die Referenten von cesah und DLR anhand zahlreicher Beispiele. Das Projekt ROSAT z. B. ermöglichte den Wissenschaftlern, zum ersten Mal den gesamten Himmel mit einem abbildenden Teleskop auf Röntgenquellen zu untersuchen. Für die Datenverarbeitung und -analyse wurde das Scaling Index Verfahren (SIM) entwickelt, ein neuartiges Verfahren zur Beurteilung der lokalen topologischen Eigenschaften poröser und unregelmäßiger Strukturen. Transferiert in die medizinische Anwendung, konnte ein Computer-basiertes Diagnose-System zur Früh-Erkennung von Hautkrebs abgeleitet werden. Die Erkennung von kleinsten Unterschieden in der Farbe des Hautgewebes, die mit einem unregelmäßigen Zellwachstum von malignen Melanomen einhergeht, ist dadurch möglich geworden.

Das bekannteste Projekt ist sicherlich CARMAT. In der Raumfahrt stand die Entwicklung von Embedded-Elektronik für Telekommunikationssatelliten im Vordergrund. Die Herausforderung für die Weltraumingenieure war es, keine Unterbrechungen oder „Bugs“ in ihrer Elektronik zu tolerieren. Diese sehr zuverlässige Raumelektronik wurde mit biologischem Gewebe kombiniert, um ein hochmodernes künstliches Herz aufzubauen, ein Gerät, das den harten Bedingungen des körpereigenen Kreislaufsystems standhalten konnte und 35 Millionen Mal pro Jahr mindestens fünf Jahre lang pumpt.


Bei dem Event wurde deutlich, dass komplexe Qualifizierungs- und Zulassungssysteme als nicht zu vernachlässigende Herausforderungen gelten. Zimmermann: „Die Weltraumtechnik und die Medizintechnik haben ähnlich hohe Anforderungen: Die Regularien und Zertifizierungsprozeduren sind in beiden Sparten sehr komplex."

Als Gastgeber präsentierten Prof. Dr. Alin Albu-Schaeffer und sein Team, wie „Cross Industry“ am DLR gelebt und realisiert wird. Parallele TechTransfer-Workshops luden die Teilnehmer ein, Fragestellungen aus der Medizin mit den Experten aus der Robotik zu diskutieren und mögliche Partner für aktuelle Entwicklungsprojekte zu identifizieren. Eine abschließende Tour durch das Forschungslabor des DLR zeigte, wo Innovationen entstehen. Ab 2017 soll hier ein Innovation Lab entstehen, das auch Externen eine Testumgebung zur Verfügung stellt. Projektleiter Dr. Matthias Schier vom Forum MedTech Pharma e.V. zeigte sich zufrieden: „Der Technologietransferevent ist bei den Teilnehmern sehr gut angekommen, so dass wir weitere Formate dieser Art für 2017 planen."

Dieser Artikel ist ebenfalls in dem Fachmagazin DeviceMed erschienen.
Eine Bildergalerie finden Sie unter www.devicemed.de.