Innovationen in der Zahnheilkunde

 Nachbericht zur Fachtagung vom 07.02.2020 in Garching


Aktuelle Entwicklungen in der Zahnheilkunde, insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung, standen im Fokus der Fachtagung, zu der das Forum MedTech Pharma Vertreter aus Forschung, Industrie und Anwendung eingeladen hatte. Bei den Fachvorträgen wurde schnell klar: Beide Basistechnologien der Zahnheilkunde werden auch zukünftig abhängig von der jeweiligen Aufgabenstellung eingesetzt: Subtraktive Verfahren wie das Fräsen und generative Verfahren wie das 3D-Printing. Weiterhin wurde die dentale Implantologie als Innovationstreiber diskutiert, die digitale Scantechnologie in einer Bestandsaufnahme vorgestellt und Anwendungen der künstlichen Intelligenz in der Dentaltechnologie präsentiert. Das Programm wurde durch einen Rundgang durch das GE Additive Customer Experience Center und eine Podiumsdiskussion ergänzt. Einen wichtigen Mehrwert für die ca. 50 Teilnehmenden bot der Austausch mit den Experten und die Gespräche untereinander.

Schlüsseltechnologie 3D-Druck

Ralph Riquier (r2dental, Remchingen) stellte die digitale Kompetenz als Handwerkszeug 4.0 in der digitalen dentalen Technologie vor. Sowohl für das Fräsen als auch für das 3D-Printing gibt es zahlreiche Indikationen mit jeweils spezifischen Vorteilen. Für komplexe Geometrien ist der 3D-Druck heute die Technologie der Wahl, trotz starker Prozessabhängigkeit. Bei hohen Anforderungen an die Oberflächengüte ist daher das Fräsen die bessere Wahl.

Josef Schweiger (Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Klinikums der LMU, München) ist sich sicher, dentaler 3D-Druck ist kein Hype, sondern Realität. Die Möglichkeiten und Chancen sind enorm, auch wenn es noch einige Herausforderungen zu bewältigen gibt. Dazu gehört insbesondere die weitere Materialentwicklung, deren Potential noch nicht ausgeschöpft ist. Sie ist der entscheidende Schlüssel für die weitere Entwicklung.

Hybrid-Fertigung in drei Schritten

Die Datenaufbereitung ist der erste Schritt in der Herstellungskette der dentalen hybriden Fertigung. Den Weg vom Design zum Datensatz stellte Simon Jakubka (Follow-Me! Technology GmbH, München) vor. Die eigentliche additive Herstellung der Elemente präsentierte Joachim Krause (GE Additive, München). Den dritten Schritt, die subtraktive Nachbearbeitung, erklärte Dirk Iller (Datron AG, Mühltal) in seinem Vortrag. Erst mit dem erfolgreichen Zusammenspiel dieser drei Bereiche können Produkte hergestellt werden, die den Anforderungen genügen.

Dr. Herbert Wolter (Fraunhofer-Institut für Silicatforschung, Würzburg) informierte die Teilnehmenden über das DLP-Verfahren, die damit gefertigten unterschiedlichen Geometrien und die dafür adaptierten Eigenschaftsprofile.

Die dentale Implantologie als Innovationstreiber – besonders im Bereich Navigation, für das Material Zirconiumoxid und die Digitalisierung, bestätigte Steffen Kahdemann (denteon MedTec Business Consulting, Bad Windsheim). Daniel Sandmair (Sandmaier Zahntechnik GmbH, München) sprach über digitale Scantechnologie und deren Bedeutung in der Zahntechnik/ Zahnmedizin. Abschließend präsentierte Jaroslav Blaha (CellmatiQ GmbH, Hamburg) einige Anwendungsbeispiele der künstlichen Intelligenz in der Dentaltechnik.  

Digitale dentale Technologien weiter auf dem Vormarsch

Die Fachtagung hat aufgezeigt, dass die Digitalisierung in der Zahnheilkunde bereits weit fortgeschritten ist. Dies gilt sowohl für Zahnarztpraxen als auch für Dentallabore. Trotzdem werden viele notwendige Investitionen bisher nicht umgesetzt. Möglicherweise fehlt ein Anreizsystem in Form angepasster Vergütungsstrukturen. Exemplarisch zeigt dies die digitale Scantechnologie, deren technische Möglichkeiten bereits lange bekannt sind und zur Verfügung stehen, diese bisher aber selten eingesetzt wird. Ebenso findet KI-Technologie zur Unterstützung von Routinearbeiten nur zögerlich Anwendung. Die Fachtagung konnte wertvolle Impulse liefern, um im Schulterschluss aller beteiligten Akteure die Implementierung der technologischen Innovationen in die breite Anwendung der zahnmedizinischen Versorgung zu beschleunigen.