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Medizinprodukte-Aufbereitung: Effektiver Schutz durch Digitalisierung

 © Prof. Johner Fachartikel | Clinaris GmbH

 

Auch Krankenhausbetten können eine Quelle für Infektionen sein und müssen vor einer Wiederverwendung korrekt gereinigt und desinfiziert werden. Digitalisierung kann bei der Steuerung und Dokumentation der Bettenaufbereitung in klinischen Einrichtungen helfen.

Hygienemaßnahmen sind durch Covid-19 noch mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. In Krankenhäusern ist das Coronavirus aber nur einer der zahlreichen Erreger, mit denen klinisches Fachpersonal täglich konfrontiert wird. So durchdringen Krankenhauskeime vermehrt das geschwächte Immunsystem von Patientinnen und Patienten und führen zu unnötigem Leid und hohen Folgekosten. Nosokomiale Infektionen lassen sich weitgehend mit der Basishygiene reduzieren, zu denen neben Händewaschen und Händedesinfektion, vor allem auch die Flächenreinigung und -desinfektion gehören. Darüber hinaus haben internationale Studien bestätigt, dass Patientenbetten ein möglicher Ausgangspunkt für eine nosokomiale Infektion sein können. 

Mehr Rechtssicherheit für Klinikbetreibende 
Jede stationär zu behandelnde Person hat Anspruch auf ein sauberes, desinfiziertes und mit frischer Wäsche bezogenes Bett. Erleidet man eine nosokomiale Infektion und klagt vor Gericht, hat der Klinikbetreibende zu beweisen, dass das interne Hygienemanagement sämtliche Anforderungen erfüllt hat (Beweislastumkehr). Die digitale Dokumentation von Aufbereitungsprozessen kann die Rechtsposition der Klinik im Klagefall deutlich verbessern. 

Wie kann Digitalisierung bei der Aufbereitung helfen? 
Obwohl jede Klinik ein Hygienemanagement und Hygienefachpersonal vorhält, können unübersichtliche Prozesse und mangelndes Monitoring zu Problemen führen. Möglicherweise könnten z. B. Betten oder medizinische Geräte ohne die vorgeschriebene Aufbereitung zurück in den Klinikbetrieb gelangen. Digitale Lösungen können hier gezielt gegensteuern. Eine Software für das Hygienemanagement ermöglicht effiziente und nachvollziehbare Prozesse, eine auf die jeweilige Kontamination zugeschnittene Aufbereitung und präzise Prozessdokumentation. Nach Ansicht von Hygienikern lassen sich durch solche Maßnahmen Infektionsketten wirksam unterbrechen und damit unnötiges Leid und Kosten vermeiden.  

Digitalisierung macht Hygiene sichtbar 
Ein digitaler „Medizinproduktefinder“ zeigt dem Pflegepersonal den Standort von Betten und anderen Medizinprodukten an, die für den sicheren Gebrauch geeignet sind. Das heißt z. B., dass die Produkte sachgerecht aufbereitet und alle Wartungs-, Prüf- und Eichtermine eingehalten wurden. Zusätzlich führt die Software die Reinigungskräfte und das Medizintechnik-Personal zielsicher zu den Medizinprodukten, die für den Einsatz gereinigt, desinfiziert, gewartet, repariert oder getestet werden müssen.  
Stationsrechner, Smartphones oder Tablets liefern Informationen zum Hygienestatus der zu Pflegenden. So können Pflege- und Reinigungskräfte diesen berührungslos durch Abscannen eines am Bett angebrachten QR-Codes einsehen und ihren persönlichen Schutz danach ausrichten. Erst wenn das Bett nach seiner Nutzung den vorgeschriebenen Aufbereitungsprozess durchlaufen hat, erscheint es im System wieder als ,verfügbares Bett‘. 

Mit IoT Such- und Wegezeiten reduzieren
Die IoT-Technologie (Internet of Things) bietet noch weitere Vorteile: So reduziert das Echtzeit- Tracking die Such- und Wegezeiten und entlastet damit das Personal. Durch die digitale Unterstützung der Aufbereitungsprozesse entsteht automatisch eine detaillierte Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte. Sie ermöglicht den Nachweis, dass die vorgeschriebenen Hygienevorschriften eingehalten wurden und kann so das juristische Risiko für die Krankenhäuser (Beweislastumkehr) minimieren. Natürlich kann durch das Vorhalten der digitalen Aufbereitungsnachweise eine nosokomiale Infektion nicht zu 100 Prozent verhindert werden. Jedoch ist es möglich, durch die gewonnene Transparenz und Vereinheitlichung der Prozesse sowie durch regelmäßige Schulungen des Personals die Rate an nosokomialen Infektionen zu vermindern. Dies trägt sowohl zur Patientensicherheit als auch zu einer Qualitätssteigerung in der Klinik bei.   

 



Über Clinaris GmbH
Die CLINARIS GmbH in Garching hat mit HPM® eine digitale Lösung entwickelt, die den gesetzlich vorgeschriebenen Aufbereitungsprozess von Medizinprodukten und von Patientenzimmern in Echtzeit steuert und in Einzelschritten dokumentiert. Dabei werden Prozesse und der Einsatz der Personalressourcen optimiert. Zusätzlich zeigt HPM® in Echtzeit für im System registrierte Medizinprodukte den exakten Standort und den hygienischen und technischen Status an und überwacht die gesetzlich vorgeschriebenen Wartungs- und Prüftermine.

Autorin
Kathrin Mann, MHBA
Senior Expert Hygiene bei Clinaris GmbH
kam@clinaris.com
www.clinaris.com

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